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Aktuelles
Risiko Alkoholabhängigkeit im Lockdown
22.01.2021

Der Lockdown verändert aktuell stark unsere Lebensgewohnheiten. Viel Zeit wird im eigenen Zuhause verbracht, Kontakte sollten so gut wie möglich reduziert werden und es gibt deutlich weniger Ausgleichs- bzw. Ablenkungsmöglichkeiten. Aus der Erfahrung von vergangenen Epidemien wird davon ausgegangen, dass die Einschränkungen der persönlichen Freiheit auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung haben und somit auch auf Menschen, welche von Alkoholismus betroffen sind. Für Menschen mit einer bereits bestehenden Alkoholabhängigkeit stellt damit das aktuell nur eingeschränkte Hilfenetz eine Bedrohung dar. So sind aktuell bestehende Angebote, wie Selbsthilfe oder Gruppentherapie oft nur online oder eingeschränkt möglich.

Ebenfalls steigt längerfristig für noch nicht erkrankte Menschen das Risiko, selbst eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. Der Konsum von Alkohol ist in Zeiten persönlicher, aber auch gesellschaftlicher Krisen, ein bei vielen Menschen gelernter Bewältigungsmechanismus, da er Ängste und Sorgen abmildern, beruhigen und entspannen kann. So gibt es in der Corona Zeit für manche Menschen subjektiv mehr Gründe, die für einen vermehrten Konsum sprechen als dagegen. Aufgrund des Abhängigkeitspotenzials von Suchtmitteln, wie Alkohol oder Tabak, besteht jedoch die Gefahr, dass aus einem länger andauernden erhöhten Konsum während des Lockdowns eine Gewohnheit entsteht, die nach dessen Ende nicht mehr zurückgefahren werden kann, und sich eine Abhängigkeit entwickelt. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Befürchtung, welche beispielsweise die WHO schon am Anfang der Epidemie angesprochen hat, bestätigt wird. So zeigen Ergebnisse einer Studie von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg und die Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim ein steigendes Konsumverhalten in der Bevölkerung (Studie seit dem 8.04.2020). Ein Ergebnis dieser ersten Befragung der Allgemeinbevölkerung in Deutschland zu Konsum zeigt, dass seit Beginn der Ausgangseinschränkungen 37,4 % der Studienteilnehmenden mehr Alkohol und 42,7 % mehr Tabak konsumieren als zuvor. Diese Zahlen in Zusammenhang mit vergangenen Studien aus anderen Epidemien/Pandemien, wie zum Beispiel der SARS Epidemie 2003 in China, welche nach drei Jahre einen positiven Zusammenhang zwischen der Zeit welche Personen in Quarantäne/Isolation verbracht haben und einer Abhängigkeitserkrankung festgestellt wurde, lassen für die Zukunft befürchten, dass uns die Folgen der Corona-Pandemie noch einige Jahre begleiten werden.

Quellen: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/alkohol-corona-101.html ; https://www.aerzteblatt.de/archiv/214451/Alkohol-und-Rauchen-Die-COVID-19-Pandemie-als-idealer-Naehrboden-fuer-Suechte

Aktueller Sucht-und Drogenbericht der Bundesregierung
16.12.2020

Im November stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, den Sucht-und Drogenbericht 2020 vor.

Themenschwerpunkt ist unter anderem der Cannabiskonsum Jugendlicher. Der Drogenbeauftragten zufolge blieb der Konsum von Cannabis auf anhaltend hohem Niveau. Während Jugendliche in diesem Jahr so wenig Alkohol wie nie getrunken hätten, sei die Anzahl an Jugendlichen, die wegen Cannabiskonsums behandelt werden mussten, gestiegen. Eine neue Präventionskampagne soll jugendgerecht Faktenwissen und Präventionsbotschaften zu Cannabis vermitteln. Begleitet wird der Start des Internetangebots www.cannabispraevention.de von der Social-Media-Kampagne „Mach Dich schlau“.

Ein weiterer Handlungsschwerpunkt ist das Thema Medienkonsum: gerade auch in Zeiten der  Corona-Pandemie steige die Gefahr der Abhängigkeit von Onlinediensten. Umfragen zeigen, dass mehr Vermittlung von Medienkompetenz an den Schulen erwünscht ist, auch ist der Bedarf an Information bei Eltern und Familien stark gestiegen. Die neue Präventionskampagne „Familie.Freunde.Follower“ soll hier ansetzen und vor allem Jugendliche in ihrer Medienkompetenz unterstützen.

In den letzten Jahren sind der Kokainkonsum und damit zusammenhängend auch die Sicherstellungsmengen und mit Kokain zusammenhängende Todesfälle siginifikant angestiegen. Die Drogenbeauftragte bezeichnete dies als „Megathema“ und sieht hier dringenden Handlungsbedarf in der Präventionsarbeit.

Der Bericht geht auch nochmals auf die besondere Situation während der Covid19-Pandemie ein, gerade auch für Kinder aus suchtbelasteten Familien: diese seien in der Corona-Krise häufig nochmals besonders belastet, weshalb diverse Beratungs-und Unterstützungsangebote ausgebaut wurden (wie zb www.jugendnotmail.de oder auch die www.nummergegenkummer.de)

Sinkende Zahl von Kindern- und Jugendlichen mit Alkoholvergiftung
13.10.2020

Es kann weiterhin ein Rückgang der Kinder und Jugendlichen mit alkoholbedingter Krankenhauseinweisung beobachtet werden. Die DAK-Gesundheit berichtet, unter Berufung auf Daten der statistischen Landesämter, dass im Jahr 2018 ca. 20.500 Kinder und Jugendliche (10-20J.) aufgrund ihres starken Alkoholkonsums ins Krankenhaus gekommen sind. Die letzten 5 Jahre konnte jedes Jahr ein Rückgang der Zahlen verzeichnet werden. So waren es im Jahr 2016 beispielsweise noch 22.300 Betroffene. Um 230 Fälle zugenommen hat allerdings im Jahr 2018 die Zahl der Kinder und jungen Jugendlichen (10-15J.) im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen von dem Phänomen des Rauschtrinkens sind Großstädte, wie Berlin und Hamburg. So musste beispielsweise Berlin, trotz des bundesweiten Abwärtstrends, einen Anstieg um 18,8 % von Kindern und Jugendlichen mit einer Alkoholvergiftung verzeichnen.

Substanzabhängigkeit erhöht das Risiko einer COVID-19 Erkrankung
16.09.2020

Das Team um Nora Volkow, Direktorin der National Institute on Drug Abuse (NIDA) in Bethesda (USA) hat 73,1 Millionen elektronische Krankenakten von erwachsenen US-Amerikanern ausgewertet.

Dabei kam heraus dass Patienten mit einer Abhängigkeit von Alkohol, Tabak, Cannabis, Opioiden oder Kokain ein deutlich erhöhtes Risiko haben, im Falle einer Infektion mit SARS CoV-2, an COVID 19 zu erkranken.

Dies sei vor allem auf die Begleiterkrankungen Substanzabhängiger zurückzurühren. Vor allem Opiatabhängige sind aufgrund der Atemdepression durch Opioide stärker gefährdet.

Substanzabhängige erkranken nicht nur häufiger an COVID-19. Auch die Prognose war bei ihnen schlechter. COVID-19-Patienten mit Substanzabhängigkeit mussten zu 41,0 % im Krankenhaus behandelt werden gegenüber 30,1 % unter allen COVID-19-Patienten. Insgesamt 9,6 versus 6,6 % starben an COVID-19.

Deutlich gestiegene Zahl der Drogentoten 2019
15.04.2020

Aufgrund des Konsums illegaler Substanzen sind im vergangenen Jahr 1398 Menschen gestorben – das sind 122 Personen (9,6 Prozent) mehr als 2018.

Als häufigste Ursache kann hierfür die Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin oder die Kombination mit anderen Substanzen genannt werden. Ebenfalls ist die Anzahl der Todesfälle nach dem Konsum von sogenannten Partydrogen gestiegen. Dazu gehören Kokain, Amphetamine und synthetische Drogen.

Die Drogenbeauftragte, Frau Ludwig (CSU) fordert deswegen eine flächendeckendere Struktur von Hilfsangeboten, um den Zugang zu Aufklärung, Beratung und Unterstützungssysteme für alle Menschen möglich zu machen. Frau Ludwig nennt in diesem Zusammenhang das Beispiel des Stoffes Naloxon. Dieser kann die Wirkung einer Überdosierung für einige Zeit aufheben und so kurzfristig Leben retten. Dieses Medikament gebe es seit zwei Jahren und das Wissen darüber sei noch nicht flächendeckend in der Szene angekommen.

Sie fordert ebenfalls, vor allem auch in der Corona- Krise die bestehenden Substitutions- und Hilfsangebote aufrechtzuerhalten.