Glücksspiel

Das erste Mal gewinnen

Viele spätere Spielsüchtige erinnern sich nach einer Umfrage an das „erste Mal“. Die meisten von ihnen hatten das erste Mal gewonnen, teils beträchtliche Summen. Diese Erfahrung kann dazu führen, dass der Spieler den Gewinn nicht mit Glück sondern mit seinem eigenen Handeln erklärt. Zunehmende Verluste führen oft nicht dazu, das Spielen einzustellen. Stattdessen neigt der Spieler dazu, sein Spiel zu analysieren, mit dem unmöglichen Ziel dieses zu verbessern. Der unrealistische Glaube an Gewinn wird mit jedem neuen Verlieren größer.


Atmosphäre und Suchtpotential

Obwohl die meisten Spielhallen eher kalt und abweisend sind, bemühen sich die Betreiber sehr um ihre Besucher. In der Regel wird die Tasse Kaffee kostenlos angeboten, das Personal ist sehr zuvorkommend und Sperrungen, wie sie in Casinos möglich sind, funktionieren hier kaum. Einen taktischen Zug der Betreiber stellen die mittlerweile in vielen großen Spielhallen aufgestellten Geldautomaten dar. Hier können sich Spieler weiter mit Barem eindecken. Eine Möglichkeit der Selbstkorrektur – z.B. auf dem Weg zu einem externen Bankautomaten – entfällt. Die Griffnähe zu Geldquellen ist gerade für pathologische Spieler kontraproduktiv.

Das Suchtpotential von Spielautomaten erklärt sich vor allem durch das Vorhandensein kurzer Auszahlungsintervalle, die Möglichkeit eines aktiven Mitwirkens durch die Stop-Start- und Risikotasten, das häufige Auftreten von Beinahe-Gewinnen (2 Zahlen von 3 möglichen Gewinnzahlen erscheinen), Sonderspielserien, Auswahl verschiedener Gewinnchancen, hohe Gewinnmöglichkeiten für geringen Einsatz, optische und akustische Signale als Effekte usw.

Die meisten Casinos dagegen werden von einer Atmosphäre beherrscht, die Spielern suggeriert, sie gehörten zur Welt der Reichen und Erfolgreichen. Zumindest werden sie – solange sie Geld bzw. Spielchips einsetzen können – als solche behandelt. Im Casino gibt es Spiele jeder Art, die unterschiedliche Gewinnmöglichkeiten bieten und unterschiedliche Spielcharaktere bedienen.

Auch wenn es noch keine verlässlichen Angaben zur Anzahl abhängiger Spieler und Spielerinnen in Deutschland gibt, liegt den Schätzungen ambulanter und stationärer Einrichtungen nach die Zahl der von Spielsucht Betroffenen zwischen 100 000 und 130 000.


Gründe für das Spielen und Suchtentwicklung

An der Entstehung einer pathologischen Spielsucht sind meist mehrere unterschiedliche Ursachen beteiligt. Für viele Spieler und Spielerinnen bietet das Spielen eine mögliche Gewinnchance, die aber relativ zügig zu einer Flucht vor Konfliktsituationen, zu Aggressionsabbau oder zu einem Stressventil werden kann.

Das persönliche Spielverhalten kann regelmäßig oder episodisch sein und wird immer weniger kontrollierbar bis hin zu einem völligen Kontrollverlust. Das Verlangen nach dem Spiel wird so stark, dass das berufliche und soziale Umfeld immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Das Glücksspiel wird zum Lebensinhalt um das sich alles andere dreht. Zunehmend wird der Tagesablauf so geplant, dass Spielen möglich ist.

Spielhallen öffnen in der Regel bereits um 7:00 bzw. 8:00 Uhr morgens und stellen sich somit flexibel auf die Möglichkeiten ihrer süchtigen Kunden ein. Dabei steigen die Wetteinsätze und das damit verbundene Risiko. Neben Zeit und Geld gehen vor allem auch Selbstachtung und Selbstvertrauen des Spielenden verloren. Eine Folge ist die Distanzierung von Familie und Freundeskreis. Gründe für exzessives Spielen können unter anderem sein:


Limits setzen, Limits überschreiten

Ein typisches Phänomen und gleichzeitig ein Symptom für eine drohende Suchtentwicklung ist der Einsatz von immer mehr Zeit und Geld für das Spielen. Die Bereitschaft selbst festgelegte Einsatzlimits zu überschreiten wächst rasend schnell. Die Folge ist der Kontrollverlust, der die Aufnahme von privaten Darlehen und Krediten und einen stetig wachsenden Schuldenberg nach sich zieht.


Lügen und andere Heimlichkeiten

Der/die Spielsüchtige entwickelt mit der Zeit unvermeidlich ein Lügenkonstrukt, das es ihm/ihr ermöglicht, nicht nur Verluste und Schulden zu verheimlichen, sondern auch dafür zu sorgen heimlich spielen zu können. Dabei erzeugt das Risiko „erwischt“ zu werden extremen Druck und Anspannung bei den Betroffenen, während ständig neue Erklärungen für finanzielle Engpässe erfunden werden müssen.


Kredite, Schulden und Straffälligkeit

Die finanziellen Folgen exzessiven Spielens sind meist immens und werden von den Betroffenen teils verdrängt und teils an die Hoffnung nach Ausgleich durch einen möglichen nächsten Spielgewinn geknüpft. Ein großer Teil der Spielsüchtigen ist bereit Schulden bei Bekannten und Verwandten zu machen, ohne dabei die wirklichen Gründe zu nennen. Auch Bankkredite – teils mit extrem hohen Zinsen – oder auch der Griff in die Firmenkasse werden in Kauf genommen um die Spielsucht zu stillen. Eine Folge von durch Spielen verursachte hohe Schulden ist die Suizidgefährdung von Spielern. In einer Umfrage unter Spielsüchtigen gaben rund 70 % der Befragten an, bereits Suizidversuche unternommen oder sehr konkrete Suizidgedanken gehabt zu haben.


Leidensdruck und Hilfe

Die Leidenswege pathologischer Spieler sind oft ähnlich lang wie die der Alkoholiker, der Medikamentenabhängigen oder der Abhängigen von illegalen Drogen. Im Laufe der Suchtgeschichte wird das Glücksspiel mehr und mehr zum zentralen Lebensinhalt. Familie und Beruf verlieren zunehmend an Bedeutung, und es erfolgt ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Im weiteren Verlauf kann es zu Wohnungsverlust, Arbeitsplatzverlust, Trennung vom Partner, Beschaffungskriminalität oder zu Suizidversuchen kommen, ehe der Versuch unternommen wird, die Spielsucht zu akzeptieren und zu bekennen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. In der Regel ist es meist der Druck der Partner, Familien oder Arbeitgeber von Betroffenen, der dazu führt, dass Süchtige ihre Spielsucht in den Griff bekommen möchten.

Der Moment der Offenbarung der Spielproblematik wird von den meisten Betroffenen im Nachhinein als erlösend und als Erleichterung beschrieben. Wegen jeder Art von Spielsucht kann man sich an eine Suchtberatungsstelle wenden. Es gibt in Deutschland Hunderte von Selbsthilfegruppen sowie einige Therapieeinrichtungen, die Spielsucht behandeln.