Substanzwarnung

An dieser Stelle veröffentlichen wir aktuelle Substanzwarnungen der in Lissabon ansässigen Europäischen Bebachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction – EMCDDA).

Die EMCDDA arbeitet mit vielen Experten und Institutionen aus Prävention und Behandlung, Forschung, Politik und Statistik zusammen. Eine Schnittstelle zwischen der EMCDDA bildet die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD).

Eine zentrale Aufgabe der EMCDDA besteht darin, neue Entwicklungen zu erkennen und zu verfolgen. Ihre Informationen bezieht die Beobachtungsstelle in erster Linie aus dem Reitox-Netzwerk, zu dem Kontaktstellen in allen 28 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, den Kandidatenländern und bei der Europäischen Kommission zählen. Der Jahresbericht über den Stand der Drogenproblematik in Europa sowie ein online veröffentlichtes Statistikbulletin geben alljährlich einen Überblick über die aktuelle Situation und die neuesten Trends in Europa. Darüber hinaus stellt die Agentur auf ihren Internetseiten aktuelle Länderprofile mit umfangreichen Informationen zur Drogensituation in den einzelnen Ländern zur Verfügung.


Warnung vor dem Konsum von N-Ethyldexedrone 13.02.17

EMCDDA (European Centre for Drugs and Drug Addiction) berichtet von 13 Todesfällen (10 in Schweden und 3 in Ungarn), bei welchen das Cathinon N-Ethyldexedrone eine Rolle gespielt hat und in biologischen Proben nachgewiesen werden konnte. In 10 der dokumentierten Todesfälle war eine Kombination bzw. Überdosierung mit Fentanyl oder weiteren Opioiden Ursache der tödlichen Wirkung.

N-Ethyldexedrone ist ein Cathinon und das N-Ethyl-Derivat von Hexedrone und weist strukturelle Ähnlichkeit mit alpha-PHP, in gewissem Maße auch mit Mephedron auf. N-Ethyldexedrone wird als sogenanntes Research Chemical gehandelt.

Ende 2015 bis Mitte 2016 wurde die Substanz in insgesamt 124 biologischen Proben entdeckt, die weit verstreut in 15 Mitgliedstaaten der EU gefunden wurden bzw. nachgewiesen werden konnten, darunter Deutschland, Österreich, Dänemark, Frankreich und Tschechien). N-Ethyldexedrone tauchte meist in Pulverform auf.

Es gibt bislang keine Studien zur Pharmakologie und Toxikologie von N-Ethyldexedrone. Vom Konsum wird dringend abgeraten!


Ecstasy-Pillen mit Supermann Logo können PMMA enthalten 28.12.16

In Europa werden „Ecstasy-“Tabletten mit einem Supermann-Logo verkauft, die hohe Konzentrationen von PMMA enthalten. Solche Pillen wurden im Oktober 2016 in den Niederlanden und im August in Spanien entdeckt. Die Farbe der Tabletten ist pink, das Superman-Logo ist auf beide Seiten gedruckt. Tabletten mit diesem Aussehen standen bereits in der Vergangenheit mit Todesfällen im Zusammenhang.

Eine Tablette die vom Trimbos Insitut in den Niederlanden analysiert wurde enthielt 160mg PMMA und Spuren von Amphetamin. Diese Tablette war ähnlich derer, die im August 2016 vom Energy Control Drug Checking Services in Spanien anaylsiert wurde. Auch standen schon 2014 und 2016 ähnliche pinkfarbene Superman-Tabletten, die PMMA und Amphetamin enthielen, in Verbindung mit Todesfällen in Polen, Norwegen, Schweden, Belgien und dem Vereinigten Königreich. Es ist möglich, dass die Tabletten, die momentan im Umlauf sind, aus der gleichen Charge stammen.

PMMA ist schwer zu dosieren.  Bereits kleine Mengenunterschiede können von einer psychoaktiven zu einer tödlichen Dosis führen. Die akuten Symptome einer PMMA-Intoxikation sind: Hyperthermie (mit Körpertemparaturen, die tödlich sein können). Außerdem wurden Herz-, Leber und Nierenversagen in Zusammenhang mit PMMA Intoxikationen beobachtet.

Da die Tabletten oftmals als MDMA-haltig verkauft wurden, die Wirkung von PMMA dennoch nur sehr schwach der von MDMA ähnelt, kann es zu Nachdosierungen und dadurch Überdosierungen kommen. Damit verbunden ist ein noch höheres Risiko von Kurz- und Langzeitfolgen.


N-Ethylhexedron 22.11.16

N-Ethylhexedron ist ein Cathinon, welches zwischen Ende 2015 und Mitte 2016 aus 15 Mitgliedsstaaten gemeldet wurde (AT, BE, CZ, DE, DK, EE, ES, FR, HU, LT, NL, PL, SE, SI , UK).

Die Substanz wurde auch in insgesamt 124 biologischen Proben entdeckt, von denen 13 von Verstorbenen in 2 Mitgliedsstaaten stammen.

Insgesamt wurde N-Ethylhexedron zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016 310 mal erfasst.

Informationen aus den gesammelten Proben deuten darauf hin, dass N-Etyhlhexedron als diese Substanz verkauft wird, aber auch als andere Cathinone, u. A. Mephedron. Zudem wurde die Substanz in Beschlagnahmungen festgestellt in denen auch Pentedron und alpha-PVP festgestellt wurde.
In 13 Todesfällen konnte N-Ethylhexedron in biologischen Proben festgestellt werden. 10 Todesfälle wurden aus Schweden berichtet und 3 aus Ungarn. In 10 der Fälle war N-Ethylhexedron nicht als einzige Substanz für den Tod verantwortlich.

N-Ethylhexedrone ist ein Cathinon und das N-Ethyl-Derivat von Hexedron und weist strukturelle Ähnlichkeit mit alpha-PHP und in gewissem Maß auch mit Mephedron auf.  Bislang gibt es keine Studien zur Pharmakologie und Toxikologie von N-Ethylhexedron. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeiten könnte N-Ethylhexedron ähnliche Effekte zu anderen Cathinonen hervorrufen und zu einer sympathomimetischen Toxizität führen kann. Auch wenn Cathinone in der Regel die Serotonin- (5-HT), Dopamin- (DA) und Noradrenalinsysteme (NA) beeinflussen, können Sie auch unterschiedliche Effekte hervorrufen.


5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) [synthetisches Cannabinoid] 19.07.16

Diese Substanz hat in Deutschland zu 4 Notfällen und 5 Todesfällen geführt.

Hierbei handelt es sich im ein synthetisches Cannabinoid, welches erstmals in Europa aus Ungarn im Januar 2015 gemeldet wurde und bislang auch in 10 Mitgliedsstaaten, Norwegen und der Türkei entdeckt wurde – bislang in Pulverform oder in Kräutermischungen. Im Februar 2016 wurden 2kg der Substanz (in weißer Pulverform) in Bulgarien beschlagnahmt.

Bei den Todesfällen handelt es sich in allen Fällen um Männer im Alter zwischen 22 und 44 Jahren alt. In allen Fällen wurden in biologischen Proben neben 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB)  auch andere Substanzen festgestellt. Zu den anderen Substanzen gehörten Alkohol, Clonazepin (und Metaboliten), Morphium (und Metaboliten), Benzodiazepine und andere Cannabinoide (u.A. THC).

In drei Fällen wurden die Patienten tot aufgefunden, nach dem Rauchen einer Räuchermischung, die 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) enthielt. In zwei Fällen verloren die Patienten das Bewusstsein, nachdem eine Räuchermischung die 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) enthielt geraucht wurde. Daraufhin wurde ein Notarzt kontaktiert, von dem später der Tod festgestellt wurde. In einem Todesfall schien der Patient vorher intravenös Heroin konsumiert zu haben.

In einem Todesfall war die offizielle Todesursache der Konsum einer Räuchermischung die 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) enthielt. Bei drei anderen lag die Todesursache in der Kombination von 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) und anderen Substanzen. Im Fall des Heroinkonsums lautet die Todesursache „Morphiumintoxikation nach einem Heroinkonsum, wobei 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) und Lorazepam die Wirkung des Heroins mit großer Wahrscheinlichkeit verstärkt haben.“

Bei den nicht-tödlich verlaufenden Intoxikationen waren 3 der 4 Patienten männlich, im Alter von 25, 38 und 46 Jahren. Die weibliche Patientin war 25 Jahre alt. 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) wurde nicht bei allen Patienten zwecks biologischer Proben festgestellt. Jedoch wurden in allen Fällen die konsumierten Räuchermischungen analysiert und 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) festgestellt.

Die 4 nicht-tödlich verlaufenden Intoxikationen beziehen sich auf 2 verschiedene Ereignisse.

In einem der Ereignisse wurde nur 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) in der konsumierten Räuchermischung festgestellt. Im anderen Ereignis beinhaltete eine der konsumierten Räuchermischung nebst 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) auch ADB-FUBINACA und  MDMB-CHMICA; die andere Räuchermischung enthielt nebst 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) zusätzlich MDMB-CHMICA und EG-2201.

Alle vier Patienten wurden bewusstlos aufgefunden und reagierten auf die Erste Hilfe. Der 38-jährige Patient musste intubiert und beatmet warden. In allen vier Fällen wurde die Intoxikation als lebensbedrohlich eingestuft.

 In Japan wurden zwischen September und Dezember 2014 mind. 10 Todesfälle in Verbindung mit 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) berichtet.

Zur Wirkungsweise von 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB):

Bislang gibt es keine Information zur Pharmakologie und Toxikologie der Substanz. Anhand von sturkturähnlichen Analogen wird vermutet dass  5F-MDMB-PINACA  ein sehr starker Agonist des Cannabinoidrezeptors CB1 ist.
Hasegawa et al.(1) berichten von einem Todesfall der im Zusammenhang mit 5F-MDMB-PINACA steht, wobei festgestellt wurde, dass kleine Mengen der Substanz zu einer schnellen Bewusstlosigkeit führte, die wiederum zur tödlichen Erstickung durch das Einatmen von Mageninhalt geführt hat.

User-Foren und Online-Händler berichten dass 5F-MDMB-PINACA (5F_ADB) sehr potent sei und stellen dementsprechend spezielle Warnungen auf die Verkaufsseiten.

Personen die Proben mit 5F-MDMB-PINACA (5F-ADB) an den walisischen Drug-Checking Service WEDINOS (www.wedinos.org) geschickt haben, berichteten im Zusammenhang mit dem Konsum von Euphorie, Entspannung, Brustschmerzen, unregelmäßigem Herzschlag, Atemlosigkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Unruhe, akustische und visuelle Halluzinationen, Paranoia und Zusammenbrüchen.


MDMB-CHMICA (synthetisches Cannabinoid) 16.02.16

Die Substanz steht mit 13 Todesfällen und 23 nicht-tödlich verlaufenden Intoxikationen innerhalb Europas im Zusammenhang. Auch in Deutschland kam es bei dieser Substanz vermehrt zu schwerwiegenden Zwischenfällen. Aus Deutschland wurden bisweilen 4 Todesfälle und 4 nicht-tödlich verlaufende Intoxikationen gemeldet.
Durch die strukturellen Ähnlichkeiten MDMB-CHMICAs zu AB-CHMINACA, wird vermutet dass es sich auch bei MDMB-CHMINACA um einen synthetischen Cannabinoidrezpetoren-Agonisten handelt.

Intoxikationen können mit den folgenden Symptomen einhergehen:

  • Erweiterung der Pupillen
  • Herzrasen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Paranoia
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Unruhe
  • Kurzatmigkeit
  • Benommenheit
  • Bewusstlosigkeit oder Koma
  • schwerwiegende motorische Beeinträchtigungen
  • Inkontinenz

In  MDMB-CHMICA haltigen Produkten, die auch auf dem deutschen Markt verkauft werden wurden sichtbare Klümpchen der Substanz innerhalb des Pflanzenmaterials gefunden. Dies bedeutet, dass auch Anhäufungen dieser hochkonzentrierten Klümpchen konsumiert werden können.
Über 20 Produkte wurden auf dem europäischen Markt identifiziert, welche diese Substanz enthalten können, manchmal auch in der Verbindung mit anderen synthetischen Cannabinoiden:
Bonzai Citrus (Austria), Bonzai Obliteration (Austria), Black Mamba (United Kingdom), Sweet Leaf Obliteration (United Kingdom), Skyhigh (United Kingdom), Vertex Pirate Edition (United Kingdom), AK47 Loaded (Germany), Manga Hot (Germany), King Kong (Germany), Kush or Kush Pink (Germany), Grape Ape (Germany), New Dimension (Germany), Mr. Nice Guy (Germany), Cloud-9 2nd Generation Mad Hatters Incense (Germany), Black Diamond (Germany), Cloud-9 Mad Hatter (Germany), Mad Hatter (Germany), Phantom (Germany), Tropicana Incense (Norway), Rainbow Special, Althea Officinalis (Croatia), Green Hammock (Germany).


MDMB-FUBINACA (synthetisches Cannabinoid) 20.01.16

Diese Warnung betrifft die Substanz Methyl 2-[[1-[(4-Fluorophenyl)Methyl]indazole-3-Carbonyl] amino]-3,3-Dimethyl-Butanoate (MDMB-FUBINACA), die erstmalig in Europa bestimmt werden konnte. Das Vorkommen von MDMB-FUBINACA in Europa bringt die zahlreichen gesundheitlichen Probleme in Erinnerung, die Folge einer Massenvergiftung in der Russischen Föderation im Jahr 2014 waren.


Para-Chlorometamphetamin (4-CMA) oder 4-Chloromethamphetamin 15.01.16

Para-Chloromethamphetamin (4-CMA) ist eine stimulierende Substanz und der Vorläuferstoff der neurotoxischen Substanz para-Chloramphetamin. 4-CMA ist mit Amphetamin und Methamphetamin verwandt, scheint aber Studien der 60er Jahre zufolge eine eher stimmungsaufhellende als stimulierende Wirkung zu haben. Beide Substanzen konnten in Ecstasy-Tabletten in Österreich, Belgien und Rumänien nachgewiesen werden. Das Wiener Checkit! Projekt hat den Stoff eingehend untersucht.  Da sich die Tabletten in Österreich und Rumänien sowohl in Farbe und Form sehr ähneln, ist es möglich, dass diese aus derselben Charge stammen.