Methadon

Flüssig mit Sirup
Tabletten-Form
Synonyme:

Metha, Meter

Wirkstoff:
Levomethadon, L-Polamidon®, Methaddict®

Substanz

Methadon ist ein synthetisch hergestelltes Opioid mit morphinähnlicher (ebenso schmerzlindernd) Wirkung, das seit 1987 in der BRD im Rahmen der Substitution als Heroinersatzmittel eingesetzt wird, ohne dass große Rauschzustände dadurch hervorgerufen werden. Methadon kann dazu beitragen, die Entzugssymptome zu lindern, macht aber ebenso abhängig. Aus diesem Grund wird die Dosis in der Substitution auch schrittweise verringert.

Die schmerzlindernde Substanz wurde erstmals 1939 von den Farbwerken Höchst hergestellt. Bis 1965 gab es nur eine Form des Methadons auf dem Markt – das sogenannte Razemat oder DL-Methadon. Es gelang den Höchster Farbwerken dann, ein doppelt so stark wirkendes Präparat, das L-Polamidon® oder Levomethadon zu entwickeln. Ab 1994 wurde auch das Razemat zur Substitution zugelassen. Es ist wesentlich günstiger als Polamidon und wird in Deutschland daher oft zur Substitution eingesetzt.
Anders als bei Heroin, wird Methadon geschluckt. Um den unangenehmen Geschmack zu verringern, wird es oft mit Orangensaft gemischt. Anders als beim intravenösen Heroinkonsum setzt die Wirkung von Methadon erst nach ca. 30 bis 60 Minuten ein, hält dahingegen aber auch länger an.

Konsumformen:

Methadon wird in flüssiger Form als Tropfen oder verdünnt mit Orangensaft oder Zuckersirup oral eingenommen. In aller Regel handelt es sich bei Methadon um eine rezepturmäßig hergestellte Trinklösung, die durch eine zusätzliche blaue oder gelbe Färbung ein Injizieren unattraktiv machen soll.
Methaddict-Tabletten werden in Flüssigkeit gelöst oder direkt oral eingenommen. Sie lösen sich sehr schnell auf.

Vergabe:

Nach Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtmVV) ist für die Vergabe von Methadon bzw. Methaddict ein umfassendes Therapiekonzept unter Einbeziehung der jeweils erforderlichen psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungs- sowie psychosozialen Betreuungsmaßnahmen vorgesehen. Nach BtmVV gelten zur Abgabe des Substitutionsmittels folgende Bestimmungen:


Wirkung

In seinen Wirkungen und Risiken ist Methadon ähnlich wie andere Opiate. Beim, in der Substitution vorgesehenen, oralen Konsum entsteht durch die langsame Anflutung der Wirkung ein eher abgeschwächter Kick ohne erhebliche Euphorieerzeugung. Die Wirkung setzt nach ca. einer halben Stunde ein und erreicht nach ca. 2 Stunden ihren Höhepunkt, schwächt dann jedoch langsamer ab, als die des Heroins. Die Halbwertszeit beträgt etwa 1 Tag. Eine Substitutionstherapie mit Methadon stellt keine kausale Behandlung der Abhängigkeit dar. Das Suchtverhalten besteht unverändert. Methadon durchdringt die Blut-Hirn-Schranke um ein Vielfaches besser als Morphin.

Der Vorteil der Behandlung mit Methadon bzw. Methaddict® liegt darin, dass sich abhängige Menschen in einem regulären Substitutionsprogramm gesundheitlich und sozial deutlich stabilisieren können.

Psychische Wirkungen von Methadon bzw. Methaddict®:

Körperliche Wirkungen von Methadon bzw. Methaddict®:


Sucht und Abhängigkeit

Das Suchtpotential von Methadon bzw. Methaddict® ist vergleichbar mit dem des Heroins und führt spätestens nach 1 bis 2 Wochen Dauergebrauch zu starker psychischer und körperlicher Abhängigkeit.
Die Entzugserscheinungen treten langsamer ein und verlaufen weniger heftig als beim Heroin, dauern aber bis zu mehreren Wochen an. Der Entzug von Methadon ist daher ähnlich problematisch wie der Entzug von Heroin.


Risiken und Safer use

Risiken des Konsums von Methadon bzw. Methaddict® können sein:

Überdosierungen mit Methadon entsprechen in ihrer Auswirkung weitgehend Überdosierungen mit Heroin und sind lebensbedrohlich. Es kommt zu einer zentralnervösen Dämpfung bis hin zu Koma, Atemlähmung und Tod. Der Beikonsum von Alkohol-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln verstärkt diese Gefahr noch erheblich.
Methadon bzw. Methaddict® wird oral eingenommen. Eine intravenöse Zuführung entspricht nicht dem vorgesehenen und sachgemäßen Umgang und birgt zusätzliche Risiken wie Infektionen (durch das gemeinsame Verwenden von Spritzbestecken besteht ein besonderes Infektionsrisiko mit HIV und Hepatitis B/C). Außerdem kann die intravenöse Injektion zu Abszessen, Herzklappenentzündungen, Venenverstopfungen oder Thrombosen führen.
Folgende Infos richten sich ausschließlich an Konsumenten und sind nicht als Konsumaufforderung zu verstehen ! Wer trotz der bekannten Risiken konsumiert, sollte wenigstens folgende Hinweise beachten:

Bei kontrollierter Substitution von Opiatabhängigen mit Methadon bzw. Methaddict® ist unter medizinischer Aufsicht nicht mit
Überdosierungen zu rechnen.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte jeglicher Konsum von Drogen konsequent vermieden werden, da er das Ungeborene schwer schädigt!


Recht

Methadon ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Es wird ärztlich auf ein BTM-Rezept verordnet und darf nicht weitergegeben oder verkauft werden.

In einer qualifizierten Substitutionsbehandlung muss mit dem behandelnden Arzt in Zusammenarbeit mit der dort angegliederten Suchtberatung ein Behandlungsvertrag abgeschlossen werden. Der Behandlungsvertrag richtet sich nach den gesetzlichen Kriterien der Substitution und schließt eine psychosoziale regelmäßige Begleitung von der Suchtberatung mit ein.

Abhängige, die mit Methadon substituiert werden, gelten laut Straßenverkehrsordnung nicht als fahrtauglich. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist eine Ausnahmeregelung möglich, nämlich wenn dies besondere Umstände rechtfertigen.
Dazu zählt eine mehr als einjährige beikonsumfreie Methadonsubstitution, eine psychosoziale stabile Integration, sowie eine stabile Persönlichkeit.

Methadon bzw. Methaddict® ist 2-4 Tage im Urin und bis zu 2 Tage im Blut nachweisbar. Je nach Haarlänge kann jeglicher Drogenkonsum bis zu 6 Monate nachgewiesen werden (1 cm entspricht 1 Monat).

ACHTUNG: Selbst wenn es nicht zu einem Verfahren kommen sollte, wird der Tatbestand in aller Regel an das Landratsamt weitergeleitet, was Auswirkungen auf den Führerschein hat (auch wenn man als Fußgänger „erwischt“ wurde).